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Wie man eine gebrauchte Hochseeyacht richtig auswählt

Wie man eine gebrauchte Hochseeyacht richtig auswählt

Welche Hochseeyacht soll es sein? Neu oder gebraucht? Oder vielleicht ein Katamaran oder sogar eine Motoryacht? Fällt die Wahl auf ein neues Boot, wirkt der Kauf einigermaßen unkompliziert. Schwierig wird es, wenn das Budget begrenzt ist und der Traum vom „Sesshaftwerden“ mit einer gebrauchten Yacht erfüllt werden soll. Worauf muss man achten, damit man auch nach Jahren noch Freude am Kauf hat?

Nehmen wir an, die Frage des Rumpfmaterials — Holz, Metall oder GFK — ist bereits entschieden. Wägen wir also das Für und Wider beim Kauf einer gebrauchten GFK-Yacht ab. Wer als Kunde zu mir als Maklerin kommt, hat meist ein Budget im Kopf und sehr klare Vorstellungen: Man weiß, welcher Yachttyp infrage kommt und welche Baujahre, und man weiß genau, in welchen Revieren gesegelt werden soll. Was man noch nicht weiß, ist, wo man kauft und worauf zu achten ist. Meine Schlussfolgerungen stammen aus mehreren Jahren beruflicher Maklertätigkeit und beruhen überwiegend auf Statistik. Ausnahmen gibt es immer — in beide Richtungen.

Wo suchen

Heute gibt es zahllose Portale und Makler, die gebrauchte Yachten anbieten. Wer sich Boote aus deren Bestand ansieht, sollte zuerst klären, in welchen Gewässern das Boot bisher unterwegs war. Was bringt diese Information? Manche Reviere setzen einem Boot schlicht stärker zu. Die Bedingungen in der Nordsee und auf dem Ozean sind völlig andere als in der Adria oder selbst im Mittelmeer.

Yachten aus der Adria und dem Mittelmeer haben weniger ermüdete Rümpfe und stehendes Gut; Boote aus der Nordsee sind deutlich stärker beansprucht. Jeder Schlag in eine Welle wird nicht nur vom Rumpf aufgenommen, sondern auch von Mast und Rigg. Und während den Rumpf alle prüfen, hat mich noch nie jemand nach dem stehenden Gut gefragt — gelegentlich, wenn auch selten, fragt jemand nach dem Mast. Ein beschädigter, krummer Mast kostet am Ende weit mehr als eine Motorreparatur, selbst eine Generalüberholung. Auch die Instandsetzung von Welle oder Kiel ist teuer.

Unabhängig vom bisherigen Revier muss der Rumpf einer GFK-Yacht unbedingt auf Osmose geprüft werden. Dafür muss das Boot nicht zwingend aus dem Wasser — Osmose ist eine chemische Reaktion, und bevor Sie Blasen im Laminat sehen, riechen Sie etwas Essigähnliches. Öffnen Sie die Bilge und prüfen Sie. Das allein kann Ihnen mehrere Tausend Euro sparen, vor allem wenn Sie mehrere Boote besichtigen. Verdächtig ist in diesem Zusammenhang ein starker Duft von Lufterfrischern in der Bilge, der den tatsächlichen Geruch überdeckt.

Autor: Edyta Jakubczak

Wer war der Vorbesitzer

Hier liegt das größte Dilemma — kaufen von einer Charterfirma oder von einem Privateigner? Ein Privateigner hat das Boot meist weniger genutzt (Ausnahmen gibt es, und Verallgemeinerungen führen nicht weiter). Aus Erfahrung weiß ich: Privateigner halten keinen festen Wartungsplan für Motor, Unterwasserschiff, Elektrik und Wasseranlage ein. Sie lassen reparieren, weil etwas kaputtgegangen ist und nicht mehr anders geht. Auch die Historie ist schwer nachvollziehbar — etwa, ob das Boot größere Reparaturen hinter sich hat. Die Versicherungshistorie einer Privatyacht ist schwer zu prüfen und leicht zu beschönigen. Privateigner wechseln den Versicherer häufiger als Charterfirmen. Dafür sind private Boote in aller Regel besser ausgestattet als Charterboote.

Eine Charterfirma hat das Boot mit Sicherheit stärker beansprucht, doch die Wartungsintervalle sind hier im Voraus fest terminiert. Bei Charteryachten können Sie also regelmäßige Wartung von Unterwasserschiff, Motoren, Wellen, Kielen, stehendem Gut und allem Übrigen erwarten. Repariert wird zudem selten mit gebrauchten Teilen. Der Grund ist einfach: Die Firmen wissen, dass in der Saison keine Zeit für langwierige Reparaturen bleibt — also muss alles Machbare im Wartungsfenster erledigt werden. Hinzu kommt, dass gewerblich genutzte Yachten regelmäßige technische Prüfungen durchlaufen müssen, deren Häufigkeit vom Registrierungsland abhängt. Sie fallen mehr oder weniger gründlich aus, müssen aber stattfinden — private Boote unterliegen dieser Pflicht überhaupt nicht. In manchen Ländern sind sie nur vor der Registrierung vorgeschrieben.

Eine Charterfirma verkauft Ihnen eine schlechter ausgestattete Yacht, doch beim Kauf lässt sich mit ihr leichter vereinbaren, dass Rettungsinsel, Beiboot mit Außenborder und die gesamte Zusatzausrüstung an Bord bleiben. Nicht jeder lässt sich darauf ein, aber es kommt keineswegs selten vor, dass man auf diesem Weg ein gebrauchtes Boot vollständig ausgerüstet und frisch gewartet erwirbt.

Manche Firmen kümmern sich besser um ihre Yachten als andere, was sich meist in den Charterpreisen niederschlägt. Die guten stecken mehr Geld in die Wartung — alle Kunden tragen ein wenig dazu bei —, und der Reparaturstandard liegt in der Regel höher als bei günstigeren Anbietern. Man darf also annehmen, dass teure Charterfirmen diejenigen sind, die ihre Flotte besser pflegen. Sicher haben Sie sich schon mehr als einmal gefragt, warum Yachten mancher Firmen mit zehn Jahren besser aussehen als fünfjährige einer anderen. Es hängt allein vom Eigner ab, nach der alten Regel: Wie man pflegt, so hat man — und Pflege kostet bekanntlich Geld.

Älter und größer oder neuer und kleiner

Hier spielt nicht der Preis die Hauptrolle, sondern die eigenen Bedürfnisse und Vorlieben. Auf See ist es kein Geheimnis, dass der Innenausbau früher aus Massivholz gefertigt wurde, heute dagegen aus Platten. Das Laminat war früher dicker; heute wiegen Boote einige Tonnen weniger — ein 45-Fuß-Katamaran hat nahezu dieselbe Verdrängung wie vor einigen Jahren ein 38-Fuß-Katamaran. Neue Technologien und Materialien führen dazu, dass Yachten anders konstruiert und widerstandsfähiger sind, in jedem Fall aber schneller. Zugleich werden Yachten heute für bestimmte Reviere und Bedingungen ausgelegt. Frühere Konstruktionen waren universeller — auch das sollte man bedenken. Dabei spreche ich nicht von Booten aus den Achtzigern, sondern von Yachten um die fünfzehn Jahre und etwas jünger.

Autor: Edyta Jakubczak

Checkliste und Fachmann

Bevor Sie eine Yacht besichtigen, legen Sie sich eine Liste mit Prüfpunkten an und arbeiten Sie sie Punkt für Punkt ab. Ohne sie verlieren Sie schnell den Faden und übersehen offensichtliche Mängel. Wie in jeder Branche empfehle ich außerdem, Fachleute mit Erfahrung hinzuzuziehen. Die meisten Kaufinteressenten verbringen ihre Zeit damit, Motor und Bilge zu betrachten oder Kartenplotter und Decks-Elektronik zu zählen. Kaum jemand weiß dagegen, dass der Austausch eines Boilers 700 Euro kostet — und wer denkt daran, ihn zu prüfen? Ein neues Vorstag kostet 1.400 Euro, auch das prüft kaum jemand. Es gibt vieles, was ablenkt: die Segel etwa, worüber man das stehende Gut vergisst. Ebenso lenkt die Betrachtung des laufenden Guts vom Mast ab, die Motorinspektion von der Welle, Osmose und Laminatzustand vom Ruderblatt. Und eine Ruderblattreparatur ist weder einfach noch schnell noch gar günstig. Dazu kommen ungebetene Tiere, die sich auf Booten aus verschiedenen — gar nicht so exotischen — Revieren einnisten können. Sie wieder loszuwerden, ist ausgesprochen mühsam.

Alles zu prüfen erfordert enormen Aufwand, deshalb kann immer etwas durchrutschen. Ein guter Makler nimmt Ihnen vieles davon ab, hilft beim Aufstellen der Prüfliste und bringt seine Erfahrung in eine gründliche Untersuchung der Yacht ein. Ein Makler ist weit mehr als ein Verkäufer, der einen Besichtigungstermin vereinbart und eine Rechnung schickt.

Auch wenn sich von den ursprünglichen Vorstellungen über die Traumyacht meist nur ein Teil verwirklichen lässt, lohnt es sich, möglichst viele Informationen zu haben, um bewusst eine gute Entscheidung zu treffen. Dann bewahrheitet sich der Spruch nicht, ein Yachteigner sei nur zweimal glücklich — beim Kauf und beim endgültigen Verkauf. Ein anderes geflügeltes Wort bleibt dagegen immer gültig: Sie haben gesehen, was Sie gekauft haben. Besser also, nicht aus eigenen Fehlern zu lernen, sondern aus der Erfahrung anderer.

O autorze: Kpt. Edyta Kos-Jakubczak verbringt gemeinsam mit ihrem Mann Adam und ihrer Tochter Kalina nahezu das ganze Jahr auf See — sie organisiert Törns und arbeitet beruflich in der Yachtvermittlung sowie bei Registrierung und Versicherung von Yachten.