Tracker, Messenger oder AIS? Was taugt am meisten
Als Veranstalter von Fahrtentörns in entlegenen Revieren haben wir mit Satellitentelefonen keine besonders guten Erfahrungen gemacht — sie sind teuer, bieten keine Positionsbestimmung, und wir nutzen sie nur in wirklich schwierigen Lagen. Das war der Hauptgrund, günstige und breit verfügbare Satelliten-Messenger und -Tracker auszuprobieren. Und weil wir zuletzt auf außergewöhnlich harte Bedingungen trafen, mussten sich diese Geräte gemeinsam mit dem bordeigenen AIS einem anspruchsvollen Test stellen, der uns ihre Stärken und Schwächen deutlich vor Augen führte.
Eine anhaltende Schlechtwetterlage im Januar dieses Jahres hielt uns tagelang in der Marina von Mohammedia fest, einem der Häfen an der nordafrikanischen Atlantikküste.
Ende Januar entschieden wir uns, den sicheren Hafen zu verlassen und eine riskante Passage nach Süden am gefährlichen Rand eines Tiefs zu segeln. Da erwiesen sich unsere Geräte als unverzichtbar, jedes auf seine Weise nützlich — auch wenn erst präzise Daten von Land und Satellit uns schwierige Situationen ersparten. Es folgt ein ausführlicher Vergleich samt Bewertung ihrer Tauglichkeit.
Garmin inReach Explorer +
Nach Bezahlung des Abonnements arbeitet das Garmin weltweit im Iridium-Netz mit 70 Satelliten, also auch in den entlegensten Gegenden im Norden und Süden. Es erlaubt das Senden und Empfangen einer unbegrenzten Zahl von Textnachrichten an beliebige in- und ausländische Nummern. Die Übertragung verzögert sich dabei um etwa zwei bis fünf Minuten. Das wasserdichte Gerät kann Karten der ganzen Welt speichern, zeigt Satellitenposition, Kurs und Geschwindigkeit auf dem eingebauten Display sowie auf einer Online-Karte, die allen zugänglich ist, die unseren Login kennen. Diese Daten speichert das Garmin und stellt sie per Bluetooth einem gekoppelten Smartphone zur Verfügung.
Es lässt sich auch von diesem Smartphone aus bedienen, sodass das inReach an einer ganz anderen Stelle der Yacht liegen kann. Allerdings braucht es freie Sicht auf mindestens ein Fünfzehntel des Himmels. Das inReach erlaubt außerdem, weltweit über das GEOS-System (International Emergency Response Coordination Center) sofort Hilfe anzufordern; da es in beide Richtungen arbeitet, weiß man fast unmittelbar, ob der Notruf angekommen ist. Die Rettungsstelle bleibt anschließend in ständigem Kontakt, bis die Gefahr vorüber ist. Auch an Land ist es einsetzbar und zeigt dort zusätzlich die Höhe über dem Meeresspiegel; seine Kältefestigkeit haben wir im Januar auf dem höchsten Gipfel Nordafrikas geprüft.
Foto: Herstellermaterial
Mit Unterstützung von Personen an Land können wir auf dem Garmin Seewetterberichte und Blitzortungen empfangen und vollständig mit Häfen kommunizieren. Der über Micro-USB geladene Akku hält nur gut ein Dutzend Stunden, doch hilft eine Powerbank — bei uns an Bord lud sie das Gerät in einigen Dutzend Minuten.
Das Gerät kostet rund 2.190 PLN, das höchste Monatsabonnement mit Tracking, unbegrenzten Nachrichten und Versicherung 250–300 PLN. Ein Jahresabonnement ist deutlich günstiger. Die niedrigste Aktivierung mit Online-Tracking und einem Limit von einigen Dutzend Nachrichten liegt bei nur etwa 60 PLN monatlich. Einzelheiten finden sich beim polnischen Distributor. Zum Vergleich: Eine SMS über Satellitentelefon kostet 0,8 bis 2 PLN, eine Gesprächsminute 3 bis 8 PLN, das Gerät selbst 2.500 bis 4.500 PLN.
Allein in einem Monat auf dem Ozean haben wir über das Garmin mehr als 300 Textnachrichten ausgetauscht, was bei durchschnittlichen Satellitentelefon-Tarifen rund 550 PLN gekostet hätte. Dieses Gerät bewährte sich sowohl auf dem Törn als auch bei der Expedition in entlegene Berge am besten; wir bewerten es von den dreien am höchsten, insbesondere im Verhältnis zum Preis.
SPOT Gen 3
Das Gerät ist in Polen seit einigen Jahren erhältlich, hat sich aber nie recht durchgesetzt. Es arbeitet im Globalstar-Netz mit 40 Satelliten und erlaubt Notrufe per SOS oder über das GEOS-System. Ebenso möglich ist eine Hilfeanforderung ohne Lebensgefahr — man signalisiert, dass man Hilfe braucht, nicht Rettung — sowie das Versenden von Satellitenbenachrichtigungen. Das SPOT Gen 3 hat eine weite Abdeckung, die jedoch die Polarregionen ausspart, und bietet fortlaufendes Online-Tracking der Position auf Google-Karten. Um diese Funktion an Bord zu nutzen, braucht man allerdings Internetzugang.
Foto: Herstellermaterial
Es ist der günstigste Tracker, der zugleich als Satelliten-Messenger dient und Nachrichten etwa an die im Hafen Wartenden erlaubt, um über Verzögerungen zu informieren. Wie wichtig das ist, weiß jeder, der schon einmal tagelang ohne Nachricht darauf gewartet hat, wann die Angehörigen endlich ankommen. Alle Nachrichten gehen an eine festgelegte Empfängergruppe — zehn Telefonnummern oder zehn E-Mail-Adressen —, wobei die Zahl solcher Benachrichtigungen auf einige Hundert pro Jahr begrenzt ist.
Das Gerät wiegt halb so viel wie das Garmin und lässt sich mit vier AAA-Batterien oder über Micro-USB betreiben. Mit der GPS-Abdeckung kommt es sehr gut zurecht: Ein Fünfundzwanzigstel freier Himmel genügt für einwandfreien Betrieb, und das Laminat der Yacht beeinflusst den Satellitenempfang praktisch nicht.
Das SPOT Gen 3 arbeitet allerdings nur in eine Richtung, sodass keine Rückmeldung eingeht — etwa, ob das Signal des Senders empfangen wird. Aus Berichten und eigener Erfahrung wissen wir zudem, dass es sicherheitshalber alle zwölf Stunden neu gestartet werden sollte. Für den Nutzer ist es ein passives Gerät, bis eine Lage eintritt, die Hilfe oder eine Benachrichtigung erfordert.
Für Menschen an Land und für alle, die die Sicherheit im Blick behalten, ist dieser Tracker-Messenger unbezahlbar und bewährt sich sehr gut. Wir setzen ihn seit Jahren erfolgreich auf Expeditionen und Törns ein und geben allen Beteiligten damit Gewissheit über die Sicherheit von Crew und Schiff. Ich empfehle ihn allen, die ein vielseitiges und nicht zu teures Gerät suchen — es kostet rund 980 PLN, die Jahresaktivierung etwa 100–150 Dollar.
AIS Klasse B
Aufgabe des Automatischen Identifikationssystems ist die gegenseitige Identifikation naher Wasserfahrzeuge mit Name, Tonnage, Kurs, Geschwindigkeit und weiteren Navigationsdaten sowie die Warnung vor Kollisionsgefahr. AIS funktioniert ausschließlich zwischen Fahrzeugen, die damit ausgerüstet sind — verpflichtend derzeit nur auf Konventionsschiffen (SOLAS) über 300 BRZ, auf Fischereifahrzeugen über 15 m Länge und auf allen Passagierschiffen. Yachten und kleine Fischerboote müssen es nicht führen und tun es leider häufig nicht.
Foto: Herstellermaterial
Als Tracker auf Online-Karten wirkt AIS nur in Reichweite von UKW-Sendeempfängern und landgestützten Transpondern; auf dem Ozean ist eine Yacht mit diesem System also unsichtbar. Auf offener See existiert ein gesondertes, kommerzielles S-AIS, mit dem nur Konventionsschiffe ausgerüstet sind. AIS kann Gefahrenmeldungen ausschließlich über DSC-Funkverbindungen (digitaler Selektivruf) übertragen. Zudem waren Geräte dieser Art bislang einem bestimmten Fahrzeug zugeordnet; erst seit Kurzem lassen sie sich einem Nutzer zuweisen. Vor der nordwestafrikanischen Küste führten weniger als eines von zehn angetroffenen Fischereifahrzeugen AIS — wir konnten also nicht darauf bauen, dass es uns vor einer Kollision bewahrt. AIS verringert diese Gefahr lediglich.
Am wichtigsten ist für mich am AIS die Möglichkeit, eine MMSI-Nummer zu identifizieren und ein Schiff automatisch über UKW zu rufen. Außerhalb Europas ignorieren Schiffe Rufe kleiner Fahrzeuge häufig; dank AIS erfahren wir die MMSI-Nummer und können das Schiff über DSC zur Antwort verpflichten. Solche Rufe werden zwingend aufgezeichnet und müssen beantwortet werden.
Ein AIS mit Empfänger und Sender kostet zwischen 3.000 und bis zu 12.000 PLN, dafür entfallen Abonnement und jährliche Registrierungsgebühr. Wer eine zugeteilte MMSI-Funkstellennummer besitzt — einmalig einige Hundert PLN bei der Behörde für elektronische Kommunikation — hat auch sonst keine laufenden Kosten. Es gibt zudem ein günstigeres, passives AIS, das nur empfängt und über das andere Schiffe keine Informationen erhalten.
Fazit
Alle bewerteten Geräte sind im täglichen Gebrauch überaus nützlich, leicht verfügbar und erhöhen die Sicherheit von Yacht und Crew deutlich. Am höchsten bewerte ich das Garmin inReach Explorer +: Es ist auf See wie an Land brauchbar und gehört auf Törn und Reise ins Gepäck. Am günstigsten ist das SPOT Gen 3, ebenfalls sehr nützlich als vielseitiger Tracker und einfacher Messenger. AIS-B ist ein sicherheitsunterstützendes System, sollte bei seiner begrenzten Reichweite jedoch durch globale Systeme ergänzt werden.